Die Mythologie

In der indischen Mythologie ist Maya die Göttin, die die kreative Energie „Prakriti“ verkörpert. Prakriti gilt als ein Zustand der geistigen Verblendung. Sie taucht jedoch in der Mythologie auch als Mahamaya – die große Maya – auf und gilt dann als Weltenmutter und als Schöpferin des gesamten Universums. Maya gilt auch als eine umfassende Kraft und wird dann Shakti genannt. Sie kann die unterschiedlichsten Gestalten annehmen. Im Hinduismus gibt es verschiedene Mythen über die Entstehungsgeschichte der Maya. So heißt es, sie sei auf der Weltenschlange entsprungen, und das Glänzen von Shivas und Visnus Gesichtern hätten einen Glanz in ihr hervorgebracht, der die Welt erfüllt. Alle Gottheiten hätten zu ihrem Leuchten beigetragen und sie mit Schmuck und Waffen beschenkt. Sie wird durch die sieben Farben des Regenbogens, aber auch durch den Schleier und durch das Spinnennetz symbolisiert. Sie gilt bis heute im Hinduismus als Blenderin und als die Versuchung schlechthin. Sie betört und verzaubert und blendet den Menschen mit ihren Illusionen.

Maya in der heutigen Philosophie

In der modernen indischen Philosophie hat Maya eine andere Bedeutung erhalten. Sie blendet immer noch, aber auf eine andere Art. Sie besteht nun aus der ätherischen Energie, die durch den gesamten Kosmos strömt.

Außerdem hat jeder Mensch einen sichtbaren äußeren Körper, der in diesem Zusammenhang als „grobstofflicher Körper“ bezeichnet wird. Er wird „Maya“ genannt und bedeutet in diesem Zusammenhang „gemacht aus“. Dieser grobstoffliche Körper ist unser Schutz, erzeugt aber auch unsere Ausstrahlung und bildet eine Brücke zu unserer Umgebung. Unser grobstofflicher Körper wird dabei von einem Strahlenkranz oder von einer Aura umgeben. Die Aura oder der Strahlenkranz können dabei von Zuständen und von Krankheiten beeinflusst werden, die am Körper selbst noch nicht zu erkennen sind. Heiler können deshalb dem grobstofflichen Körper helfen, wenn sie die negative Energie der Aura verändern.

Diese moderne Philosophie ist heute in einer Reihe von Ideologien, Heiler-Anwendungen und auch beim Yoga und im Ayurveda von großer Bedeutung.

Yoga, Ayurveda und das Grobstoffliche

Beim Yoga und im Ayurveda wird der Körper als Kosha bezeichnet, was so viel wie Kasten, Behälter oder Kiste bedeutet. Die Kosha besteht aus fünf Energiehüllen, die die inkarnierte Seele in drei verschiedenen Schichten umgeben. Diese drei Schichten beeinflussen unsere subjektive Wahrnehmung. Alle drei Schichten heißen Maya beziehungsweise „gemacht aus“. Maya hat hier endgültig nichts mehr mit der Verblendung und der Illusion zu tun. Sie ist die Verkörperung des Grobstofflichen, dem menschlichen Körper.

Die Schichten der Kosha

Die erste Schicht der Kosha ist der physische Körper selbst. Es ist die Nahrungshülle und heißt Annamaya Kosha.

Die zweite Schicht ist der Astralköper und besteht aus drei Energiehüllen: Pranamaya Kosha ist die Energiehülle, Monomaya Kohsa ist die emotionale Hülle, Virjnanmaya Kosha ist die intellektuelle Hülle.

Die dritte Schicht ist der Kausalkörper und besteht aus der Wonnehülle – Anandamaya Kosha.

Die fünf Schichten können jeweils durch bestimmte Atemtechniken positiv beeinflusst werden.

Im Zentrum steht dabei die Annamaya Kosha als grobstofflicher Körper. Sie entstand laut der indischen Philosophie aus einem männlichen Samen und einem weiblichen Ei. Dieser Körper kann nur durch Nahrung erhalten werden. Die Annamaya Kosha bereitet uns Freude, aber auch Schmerzen und Leiden. Nach unserem Tod wird sie mit der Erde vereint. Ohne eine Seele ist die Annamaya Kosha nur ein toter Körper, ohne Bewusstsein und ohne Gefühle. Da die Annamaya Kosha ein Anfang und ein Ende hat, wird sie mit einem Gefäß verglichen. Es besteht nur eine illusorische Verbindung zwischen dem grobstofflichen Körper und der Seele. Diese illusorische Verbindung erinnert bis heute an die ursprüngliche Bedeutung der Göttin Maya.

Ein Mensch, der die verschiedenen Hüllen, Schichten und Ebenen nicht unterscheiden kann, identifiziert sich immer als erstes mit seiner Annamaya Kosha. Er denkt, das wichtigste an ihm sei seine Hülle, sein Fleisch und seine Haut. In der indischen Philosophie wird genau analysiert, wie sehr sich ein Mensch mit seiner Annamaya Kosha identifiziert. In unterschiedlichen Lehren wird aufgezeigt, wie jeder zu sich selbst finden und die Annamaya Kosha von seinen anderen Ebenen und Schichten unterscheiden kann.

So fühlt sich das Grobstoffliche wohl

Sowohl im Yoga als auch im Ayurveda geht man davon aus, dass dem Grobstofflichen genug Prana – Energie – zugeführt werden muss, damit sich der Astralkörper wohl fühlt. Wenn die Zufuhr von Prana nicht ausreichend ist, fühlen wir uns müde und sind schlapp. Im schlimmsten Fall werden wir auch krank. Obwohl in der indischen Ideologie davon ausgegangen wird, dass das menschliche Ziel darin besteht, sich vom grobstofflichen Körper unabhängig zu machen, ist es dennoch – auch in den fernöstlichen Ideologien – wichtig, das Grobstoffliche zu pflegen.

Im Ayurveda sollten wir Menschen unseren Körper so wenig wie möglich künstlichem Licht aussetzen. Deshalb wird hier auch von Sport in Fitness-Räumen abgeraten. Es ist besser, sich an der frischen Luft zu bewegen, durch einen Wald zu spazieren, den Vögeln zu lauschen, die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren zu spüren. Desto mehr sich der Körper im Einklang mit der Natur befindet, desto wohler fühlt er sich.

Das Wohlgefühl sollte natürlich auch mit der richtigen Nahrung unterstützt werden. Energieträger wie Zucker und Kaffee werden verbannt. Auch auf Fleisch sollte – wenn möglich – verzichtet werden. Besonders reich an Prana sind frisches Blattgemüse, Obst und Nüsse. Die Hälfte der Nahrung sollte kalt verzehrt werden, um den Körper im Gleichgewicht zu halten.

Die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist die wichtigste Tageszeit. Wir sollten sie so weit wie möglich an der frischen Luft verbringen und dabei Atemübungen machen, wie sie uns im Yoga gelehrt werden. Die frühen Morgenstunden mit dem Sonnenaufgang gelten als besonders reich an Prana. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte den neuen Tag deshalb mit Atemübungen in der frischen Luft begrüßen.

Wer sein Leben völlig darauf umstellen will, sollte das jedoch nicht ohne die Begleitung eines geübten Lehrers tun, da in der westlichen Welt die meisten Menschen bereits von Stress und normalen Alltagsgiften verseucht sind. Es muss eine schrittweise Umstellung erfolgen, damit sich der grobstoffliche Körper langsam an die Umstellung gewöhnen kann.

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